Vergleich 0€-Broker


Die neue Generation an „0€-Brokern“ liegen voll im Trend. Die FinTechs bieten kostenloses oder sehr stark vergünstigtes Trading an. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. So bieten die Broker bisher nur wenige Handelsplätze an. Zudem ist bei zwei Anbietern die Haftung wesentlich niedriger als bei den großen etablierten Brokern.

Wir haben uns die drei neuen Anbieter genau angeschaut. Wo liegen Ihre Stärken und wo ihre Schwächen?

 justTRADETrade RepublicGratisbroker
Depot und Handel
Mindestordervolumen500 € bei Käufen,
Verkäufe ab 1 Stück
1 Stück500 € bei Käufen und Verkäufen1
Depotartnur Einzeldepotnur Einzeldepotnur Einzeldepot
Eigenes VerrechnungskontoJaNein, Treuhand-
sammelkonto
Ja
MinderjährigendepotNeinNeinNein
Handelbare Wertpapiere
justTRADETrade RepublicGratisbroker
AktienJa, ca. 7.300Ja, ca. 7.300Ja, ca. 3.600
ETFsJa, ca. 1.000 von
Amundi, db-x-trackers,
iShares, Vanguard,
Lyxor, Comstage,
vanEck, UBS
Ja, ca. 330 von iSharesJa, ca. 300 von
Amundi, db-x-trackers
SparplänekeineJa, ca. 280
ETF-Sparpläne
von iShares
keine
Investmentfondskeinekeine2.100
Anleihenkeinekeinekeine
ETCs (z.B. Xetra Gold)Ja, ca. 100keinekeine
AnlagezertifikateJa, ca. 100.000keineJa, ca. 20.000
Optionsscheine, HebelprodukteJa, ca. 400.000Ja, ca. 40.000Ja, ca. 40.000
Futures & Optionenkeinekeinekeine
CFDskeinekeinekeine
Forexkeinekeinekeine
Handelsplätze
justTRADETrade RepublicGratisbroker
börslichLS Echange
Quotrix
LS Exchangegettex
außerbörslichUBS, Citi, Société Génerale, VontobelHSBCkeine
Handelszeiten7:30 bis 23:00 Uhr7:30 bis 23:00 Uhr8:00 bis 22:00 Uhr
Gebühren
justTRADETrade RepublicGratisbroker
Orderausführung0,00€1,00€
(Sparpläne: 0,00 €)
0,00€
Eintragung Namensaktion1,00€ (nur bei Netto-Erhöhung am Tagesende)2,00€ pro Order0,00€
Zinsen Verrechnungskonto-0,50% p.a.0,00% p.a.0,00% p.a.
Sicherheit
justTRADETrade RepublicGratisbroker
Eigene BanklizenzNeinJaNein
KontoführungSutor BanksolarisBankBaader Bank
Einlagensicherungbis zu 1,3 Mio. €bis zu 20.000€bis zu 100.000€
Sicherheit HandelsfrontendsPIN, SMS-TAN, TouchID / FaceIDPIN, PUK, TouchID / FaceIDPIN (ansonsten keine weitere Absicherungen)
Überweisung (ausgehend)Ja, nur ReferenzkontoJa, nur ReferenzkontoJa, nur Referenzkonto
Sicherheits-ÜberweisungslimitJa, 10.000€ / Tag (individuell änderbar)NeinNein
Steuern und Sonstiges
Abzug Abgeltungssteuer
beim Verkauf bzw. bei Dividendenerträgen
JaJa
(allerdings keine Kirchensteuer)
Ja
Ermäßigter Satz US-QuellensteuerJa, 15%Ja, 15%Ja, 15%
QuellensteuerserviceNeinNeinNein
JahressteuerbescheinigungJaJaJa
Depotüberträge (eingehend) möglichNeinJa, aber nur handelbare ProdukteNein
Depotüberträge (ausgehend) möglichJa (auch Einzelpositionen)Ja (auch Einzelpositionen)Nein2
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Vergleich der 0€-Broker: Worauf es ankommt

Die drei neuen Broker haben das Zeug dazu, den Brokermarkt zu verändern. Umsonst traden ist in den entwickelten Aktienmärkten ein Trend geworden. Wie so oft liegen die Pioniere dieses Geschäftsmodells in den USA. Dort konnte RobinHood schon mehrere Millionen Kunden gewinnen.

Natürlich muss sich das Geschäft für die Broker rechnen. In der Regel erhalten die Broker von Handelsplätzen, Market Makern und Produktanbietern Provisionszahlungen. Gleichzeitig werden die Kosten so weit wie möglich reduziert. Das kann aber nur durch weniger Komplexität bei den Leistungen gelingen.

Wo wir auch bei den möglichen Nachteilen wären: Sämtliche der neuen Broker bieten nur sehr wenige Handelsplätze an. Aber Gelegenheitstrader und insbesondere ETF-Anleger wird dies wenig stören.

Handelsplätze

Hier hat justTRADE die Nase vorn. justTRADE bietet seinen Kunden mit Quotrix und LS Exchange zwei börsliche Handelsplätze, an denen Aktien (ca. 7.300), ETFs (ca. 900) und ETCs (ca. 100, u.a. Xetra und Euwax Gold) gehandelt werden können. Darüber hinaus gibt es vier außerbörsliche Handelspartner (Citi, Société Générale, UBS und Vontobel) für den Handel mit verbrieften Derivaten (Zertifkate, Optionsscheine und Hebelprodukte). In Kürze kommen noch die Produkte der Commerzbank hinzu, da dieses Geschäft von der Société Générale übernommen wurde.

Trade Republic bietet einen börslichen Handelsplatz (LS Exchange) für den Handel mit ca. 7.300 Aktien und ca. 330 ETFs. Einen weiteren Partner im außerbörslichen Handel (HSBC) mit deren Optionsscheinen und Hebelprodukten. Die Anlagezertifikate von HSBC sind nicht handelbar.

GRATISBROKER bietet den börslichen Handel über gettex an. gettex ist die elektronische Handelsplattform der Börse München. Dort können über den GRATISBROKER ca. 3.600 Aktien, ca. 300 ETFs, rund 2.100 Investmentfonds und ca. 60.000 Zertifikate von HSBC gehandelt werden. Einen außerbörslichen Handelspartner für Derivate bietet der GRATISBROKER aktuell nicht an. Auch ETCs, wie z.B. Xetra oder Euwax Gold sucht man beim GRATISBROKER vergeblich.

Welche Nachteile haben die Handelsplätze ?

Kein Anbieter ermöglicht den Handel über den in Deutschland am beliebtesten elektronischen Handelsplatz Xetra. Stattdessen wird der Handel über moderne Market Maker-Börsenplätze angeboten.

  • LS Exchange ist eine elektronische Börse, die von der Börse Hamburg reguliert und überwacht wird. Der Market Maker ist die LS Tradecenter GmbH & Co. KG
  • Quotrix ist das elektronische Handelssystem der Börse Düsseldorf, die ebenfalls von der Börse Hamburg überwacht wird. Der Market Maker ist die ICF Bank AG.
  • gettex ist die elektronische Plattform der Börse München. Der Market Maker ist die Baader Bank.

Von der Anzahl der handelbaren Wertpapiere ist das allerdings kein Nachteil. Im Gegensatz zu Xetra, an der lediglich bis zu 900 Aktien gehandelt werden können, bieten die genannten Börsen eine wesentlich größere Zahl an handelbaren Aktien aus dem In- und Ausland.

Auch der geringere Order-Flow, also das Order-Volumen an diesen Börsen muss zur Haupt-Handelszeit kein Nachteil sein. Denn für die meisten Börsen in Deutschland gilt das Referenzmarktprinzip. Danach darf keine Kurstellung schlechter als an der Referenzbörse sein. Referenzbörse ist für viele deutsche Aktien Xetra.

Das Problem dabei ist: An Xetra wird nur von 9:00 bis 17:30 Uhr gehandelt. Für andere deutsche Aktien, die nicht auf Xetra gehandelt werden, wird üblicherweise die Börse Frankfurt als Referenzmarkt herangezogen. Für ausländische Aktien ist die Leitbörse des Heimatlandes ausschlaggebend für die Kurstellung.

In der Hauptzeit gibt es keinen Unterschied in der Kursstellung. Nachbörslich sollten die Kurse mit anderen Börsen verglichen werden, insbesondere die Börse gettex weitet hier den Spread in Teilen deutlich weiter aus, als bspw. LS Exchange oder Quotrix. Dies liegt sicherlich auch daran, dass der Market Maker von gettex, die Baader Bank, Einblick in das Orderbuch hat, was bei LS Exchange und Quotrix nicht der Fall ist.

Die faire Kursstellung wurde von Finanztest über Monate bei den Brokern ausprobiert. Der Handel funk­tionierte nach deren Beob­achtungen weit­gehend reibungs­los. Als unbe­gründet erwies sich die Befürchtung, dass die Gebührenfreiheit durch eine größere Handels­spanne beim Kauf und Verkauf einhergeht. Bei bekannten Aktien oder ETF entdeckten wir keine nennens­werten Aufschläge gegen­über dem Xetra-Handel der deutschen Börse.

Für Anleger ist es auch von Vorteil, wenn ein Anbieter mehrere Handelsplätze bzw. Kooperationspartner anbietet. Fällt bspw. eine Börse aus, kann dann noch über die andere Börse gehandelt werden. Auch gibt es bei den vermeintlich gleichen ETFs von Anbieter zu Anbieter durchaus deutliche Unterschiede, so dass eine Auswahl verschiedener Anbieter von Vorteil sein kann.

Hier liegt justTRADE mit zwei Börsen, vier OTC-Emittenten und sechs ETF-Anbietern vorne. Auch bietet justTRADE als einziger Anbieter den Handel von ETCs an, wie z.B. Xetra Gold oder Euwax Gold.

Mindestordervolumen

Das Mindestordervolumen beschreibt, welchen Orderwert eine Order mindestens haben muss, damit sie ausgeführt werden kann.

Auch das Mindestordervolumen wird von den drei Brokern unterschiedlich gehandhabt. So verzichtet lediglich Trade Republic auf ein Mindestordervolumen, d.h. Orders sind ab 1 Stück möglich. Wahrscheinlich ist dies auch dem Umstand geschuldet, dass hier jeder Trade pauschal einen Euro kostet, um die Kosten für Kleinstorders abzudecken.

Bei justTRADE und GRATISBROKER wird dagegen ein Mindestordervolumen von 500€ für Wertpapierkäufe gefordert. Beim Verkauf einer Position gilt kein Mindestordervolumen (justTRADE) bzw. beim GRATISBROKER muss die Position komplett verkauft werden, wenn der Gegenwert geringer als 500€ ist.

Kleinerer Vorteil für Trade Republic. Hier gibt es keine Mindestordervolumen, d.h. ab 1 Stück kann gehandelt werden.

Sparpläne

Viele Anleger nutzen für den Vermögensaufbau ETF- oder Aktien-Sparpläne.

Trade Republic ist derzeit der einzige der drei Anbieter, der ETF-Sparpläne anbietet. Es stehen rund 280 ETF-Sparpläne von iShares zur Verfügung. Die Sparpläne können komfortabel über die App eingerichtet und verwaltet werden. Sparplanraten können von 25€ bis 5.000€ in 25€-Schritten gewählt werden. Ausgeführt werden die ETF-Sparpläne über die elektronische Börse LS Exchange.

Aktien-Sparpläne bietet keiner der drei Anbieter an.

Vorteil Trade Republic. Allerdings werden die beiden anderen Broker dieses Gap sicherlich schnell schließen.

Handelsfrontend

Welche Handelsplattformen bieten die drei Anbieter?

justTRADE bietet als einziger Anbieter ein Desktop-basiertes Webtrading und native Apps für iOS und Android an. Kunden können sich mit den gleichen Zugangsdaten in alle Frontends einloggen oder diese auch parallel öffnen.

GRATISBROKER bietet nur ein desktop-basiertes Webtrading an und keine Apps. Die Webseite ist zwar responsive, d.h. die Größe passt sich der jeweiligen Bildschirmgröße an, ist aber im Vergleich zu einer App auf einem Smartphone deutlich unkomfortabler in der Bedienung. Wer also in seinem Smartphone-Browser die Adresse vom GRATISBROKER eintippt, kann so auch auf sein Depot zugreifen. Allerdings fehlen bei diesem Zugriff sämtliche Komfortfunktionen wie TouchID / FaceID oder z.B. Push-Nachrichten.

Trade Republic geht ebenfalls einen anderen Weg. Als einziger der drei Anbieter, wird kein Desktop-Webtrading angeboten, sondern sich voll auf die iOS und Android-App fokussiert. Diese ist allerdings sehr ausgereift und nutzerfreundlich umgesetzt.

Hier liegt justTRADE mit Webtrading UND Trading-Apps ganz klar vorne. Ob Zertifikate-Trader sich bei Trade Republic voll auf eine App verlassen möchten?

Sicherheit

Wie schaut es mit der Einlagensicherung der drei Broker aus?

Trade Republic besitzt als einziger der drei eine eigene Wertpapierhandelslizenz der Bafin. Die Anforderungen der BaFin sind vergleichsweise hoch. Insofern hat Trade Republic hier hohe Standards in den eigenen Prozessen etabliert. Das Verrechnungskonto wird bei der solarisBank als Treuhand-Sammelkonto geführt. Die Einlagensicherung von Trade Republic beträgt maximal 20.000 €. Nachteil hierbei ist allerdings, dass aufgrund der Sammelkonto-Konstruktion Trade Republic Kontoinhaber bei der solarisBank ist, so dass im Falle einer Insolvenz der Endkunde keine Ansprüche auf Entschädigung anmelden kann. Dies kann nur durch Trade Republic erfolgen, so dass wir empfehlen, nicht mehr als 20.000€ auf dem virtuellen Verrechnungskonto zu parken.

Hinter justTRADE steht die Sutor Bank aus Hamburg. Diese ist über die gesetzliche Einlagensicherung hinaus auch noch Mitglied im freiwilligen Sicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e.V. Darüber sind die Einlagen jedes Kunden zusätzlich mit bis zu 1,3 Mio. Euro abgesichert.

GRATISBROKER agiert als gebundener Vermittler für die Baader Bank, mit einem Haftungsdach der DonauCapital AG. Über die Baader Bank sind Anleger über die gesetzliche Einlagensicherung mit bis zu 100.000 € abgesichert. Eine zusätzliche Absicherung über den freiwilligen Einlagensicherungsfonds gibt es nicht.

Kritisch anzumerken ist ebenfalls, dass die Baader Bank bei GRATISBROKER sowohl depotführende Stelle ist, als auch als Kommissionär die vom Kunden erteilten Orders zur Börse gettex schickt, bei der sie als einziger Market Maker für die Ausführung der Orders zuständig ist. Zudem hat der Market Maker bei gettex – im Gegensatz zur LS Exchange und Quotrix – Einblick in das Orderbuch und sieht somit alle vom Kunden erteiliten Limitorders. Ein Umstand, den es bei sonst keinem Broker in Deutschland in der Form gibt, da die Baader Bank als Kommissionär Kundeninteressen verfolgen muss aber als Market Maker auch Geld verdienen will. Es wird sich zeigen, wie sich dieser mögliche Interessenkonflikt auswirkt.

Hier gibt es keinen eindeutigen Vorteil. Zwar besitzt Trade Republic eine eigene Banklizenz, allerdings sind die Konto- und Depotfunktionen komplett an andere Banken (solarisBank und HSBC) ausgelagert. Zudem ist die Sammelkonto-Konstruktion insbesondere bzgl. der Einlagensicherung ungewöhnlich und reduziert. justTRADE und GRATISBROKER arbeiten mit etablierten Banken zusammen, die ebenfalls von den deutschen Aufsichtsbehörden überwacht werden. Im Bereich der Einlagensicherung hat aber eindeutig justTRADE die Nase vorne.

Depotübertrag

Macht es Sinn, sein bisheriges Depot zu den 0€-Brokern zu übertragen? Welche Hürden gibt es?

Ein Depotübertrag kann attraktiv sein, weil die Ordergühren für einen Verkauf einer bestehenden Wertpapier-Positionen sehr viel niedriger sind, als bei dem bisherigen Broker. Depotüberträge kommen auch für die Anleger in Frage, die bereits einen Bestand an ETFs haben und diese bei dem neuen Anbieter weiter besparen möchten.

Bisher bietet nur Trade Republic eingehende Depotüberträge an. Beim Übertrag der eigenen Wertpapiere muss allerdings darauf geachtet werden, dass diese bei Trade Republic über die angebotenen Handelsplätze (LS Exchange und HSBC) handelbar sind. Bei ETFs sind dort bswp. nur iShares ETFs (von Blackrock) handelbar. Bruchstücke können ebenfalls nicht übertragen werden. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass das eigene Depot von einer anderen Bank / Broker komplett zu Trade Republic übertragen werden kann. Darüber hinaus verwahrt die Depotbank HSBC viele ausländische Wertpapiere nicht, insbesondere US-amerikanische oder kanadische so genannte low-priced Securites, obwohl diese an deutschen Börsen handelbar sind. Insofern sollte ein Depotübertrag vorher gut abgewogen und mit Trade Republic abgeklärt werden. Da Trade Republic über keine Bankleitzahl verfügt, kann der Depotübertrag auch deutlich länger dauern. Zu beachten gilt, dass während eines offenen Übertrages kein Zugriff auf die Wertpapiere besteht, so dass im Falle von Kursschwankungen nicht reagiert werden kann.

In manchen Fällen kann es aber auch vorkommen, dass eine einzelne Position aus dem Depot übertragen werden soll, z.B. aus einem steuerlichen Optimierungsgesichtspunkt heraus. Dies ist beim GRATISBROKER nur mit einer gleichzeitigen Depotschließung möglich, was eine erhebliche Einschränkung darstellt. Trade Republic und justTRADE bieten dies an, kostenfrei.

Fazit

Die drei Broker sind absolut ernst zunehmende Alternativen. Wahrscheinlich passen sie nicht für jeden Anleger-Typen, aber Gelegenheits-Trader und auch ambitioniertere Anleger oder Heavy-Trader kommen hier aufgrund der attraktiven Konditionen sicher auf ihre Kosten.

justTRADE bietet die breiteste Produkt- und Handelspalette von den drei Anbietern an, so dass sich deren Depot auch ideal als Zweitdepot zu einem bestehenden Depot eignet.

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