Besonderheiten beim Handel von Auslandsaktien an Inlandsbörsen

Zugegeben, Deutschland ist, was die Auswahl der Handelsplätze angeht, sicherlich ein Paradies: So gibt es zwölf (!) börsliche Handelsplätze und vier (!) außerbörsliche Handelsplätze, an denen In- und ausländische Aktien gehandelt werden können – und das immer in der Währung Euro, egal aus welchem Land die gehandelte Auslandsaktie stammt. Deutschland ist in Europa eines der wenigen Länder, in dem ausländische Aktien an inländischen Börsenplätzen gehandelt werden können.

Wir haben den Handel mit Auslandsaktien analysiert und stellen die Vor- und Nachteile, Besonderheiten und mögliche Risiken im Folgenden Artikel vor.

Können an allen inländischen Handelsplätzen Auslandsaktien gehandelt werden?
Alle 16 Handelsplätze in Deutschland bieten den Handel von Auslandsaktien an, dabei stehen Privatkunden je nach Börse rund 4.500 Aktien aus mehr als 60 Ländern zur Verfügung. Xetra hat dabei mit ca. 500 Auslandsaktien das “kleinste” Angebot, die so genannten Market Maker Börsen Tradegate, Quotrix und LS Exchange am meisten.

Welche Aktien können gehandelt werden?
Grundsätzlich haben die Handelsplätze ein Interesse daran, dass in den angebotenen Wertpapieren auch Nachfrage herrscht. Aus diesem Grund werden nur Aktien gelistet, die auch an der Heimatbörse über ein entsprechendes Handelsvolumen verfügen. Seit Einführung der Finanzmarktregel Mifid2 zum 1. Januar 2018 gilt zusätzlich noch, dass die ausländische Aktiengesellschaft über eine so genannte LEI-Nummer ( = Legal Entity Identifier) verfügen muss, damit ein Handel in Europa möglich ist. Dies trifft auf alle größeren ausländischen Aktiengesellschaften zu, bei kleineren Nebenwerten kann dies ein Grund sein, warum ein Handel ggf. in Deutschland nicht möglich ist. Ein weiterer Grund, warum eine gewünschte Aktie nicht handelbar ist, kann die fehlende Verwahrfähigkeit des Zentralverwahrers Clearstream Banking sein. Alle Aktien, die in Deutschland gehandelt werden können, werden von der Deutschen Börse Tochter Clearstream Banking verwahrt. Entscheidet sich Clearstream Banking gegen eine Verwahrung, wie zuletzt bei den US limited partnerschips (kurz: LLPs), endet die Handelbarkeit in Deutschland und die Aktie ist nur noch an der Heimatbörse handelbar. In diesem Fall erfolgt dann umgehend ein Delisting in Deutschland.

Welche Vorteile bietet der Handel von Auslandsaktien an Inlandsbörsen?
Die Liste der Vorteile ist sicherlich sehr lang. Zu allererst sind hier sicherlich die günstigen Ordergebühren zu nennen. An inländischen Handelsplätzen kann auch zu inländischen Ordergebühren gehandelt werden, die je nach Broker, wie z.B. bei justTRADE auch 0€ betragen können. Zum andere ist hier sicherlich der Handel in der Währung Euro zu nennen, da an allen inländischen Handelsplätzen die Handelswährung Euro ist. Damit entfallen evtl. Zusatzkosten für die Umrechnung der Fremdwährung in Euro, wenn über einen Auslandshandelsplatz gehandelt wird. So wird die Fremdwährung bei den Brokern in der Regel zum veröffentlichten Mittelkurs der Europäischen Zentralbank zuzüglich (Verkauf) beziehungsweise abzüglich (Kauf) einer Marge abgerechnet. Im Schnitt beträgt die Marge bei dem Währungspaar USD/EUR rund 0,0050 USD/EUR für Kauf und Verkauf. Bei einem Ordervolumen von 5.000€ kommen hier 25€ zusätzliche Kosten pro Order hinzu.

Es ist sicherlich richtig, dass der Handel in einem Wertpapier meistens an der Heimatbörse am stärksten ist. Dies bedeutet allerdings nicht, dass deshalb die Qualität in der Kursfeststellung der Auslandsaktie an einer deutschen Börse schlechter wäre. Dafür sorgt die enge Verbindung zwischen den einzelnen Finanzplätzen rund um den Globus. Diese erleichtert die Arbitrage, bei der Wertpapierhändler kleinste Kursdifferenzen zwischen den Handelsplätzen nutzen und weitgehend ausgleichen. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist sicherlich die Zeitverschiebung. So können Privatkunden auch dann in einem Auslandstitel handeln, wenn die Heimatbörse geschlossen ist. Wer also bspw. japanische oder neuseeländische Aktien handeln will, muss sich nichts nachts um 2 Uhr an den Rechner setzen.

Welche Nachteile / Risken bietet der Handel von Auslandsaktien an Inlandsbörsen?
Das größte Risiko ist sicherlich das plötzliche Delisting einer Aktie, so dass diese nur noch an der Heimatbörse im Ausland gehandelt werden kann. Dieser Fall ist recht selten, allerdings wenn er passiert, muss die Aktie zur ausländischen Lagerstelle umgelagert werden, was ca. 50€ Kosten für den Lagerstellenwechsel nachsichzieht oder, wenn der Broker die entsprechende Auslandsbörse nicht im Angebot hat, ein Depotübertrag zu einem anderen Broker. Der Vorteil der Zeitverschiebung kann auch ein Nachteil sein, da bei fehlendem Referenzmarkt die Preisstellung an der Inlandsbörsen mit einem breiteren Spread erfolgt und dadurch sicherlich teuerer ist. Allerdings vor dem Hintergrund der deutlich günstigeren Orderkosten und dem Entfall von FX-Umrechnungskosten ein sicherlich zu verschmerzender Nachteil. In einigen Fällen gibt es Kapitalmaßnahmen, die eine Lagerung der Aktie an der Heimatbörse zur Teilnahme an der Maßnahme vorschreiben. Dies sind aber eher unwichtige oder unseriöse Maßnahmen, die für deutsche Anleger keine Bedeutung haben. Ein Beispiel ist hierfür sicherlich der unseriöse Versuch von Ponos Industries LLC, über so genannte Mini-Tender Offer bei großen amerikanischen Blue-Chips an Aktien von Kleinanlegern zu kommen.

Was ist mit der Teilnahme an der Hauptversammlung oder der Gutschrift von Dividenden?
Hier müssen sich Privatanleger keine Sorgen machen. Auch beim Handel der Auslandsaktien über eine Inlandsbörse wird die normale Dividende gezahlt, einen Unterschied zum Kauf der Aktie über die Auslandsbörse gibt es nicht. Bezüglich der Teilnahme an ausländischen Hauptversammlungen gibt es ebenfalls nicht, da diese Teilnahme unabhängig von der Lagerung ist. Lediglich die Eintragung von Namensaktien kann unterschiedlich sein, da Inlandsbroker durchgängig ausländische Aktien nicht in das entsprechende Namensregister eintragen. Mehr zum Thema Namensaktien finden Sie hier.

Lassen sich im Inland gekaufte Aktien an einer ausländischen Börse verkaufen?
Hier gilt ein klares Jein. Da die Aktien, die an einer Inlandsbörse gekauft wurde, in der inländischen Lagerstelle Clearstream Banking verwahrt werden, müssen diese vor einem Verkauf an einer Auslandsbörse zunächst zur ausländischen Lagerstelle umgelagert werden. Hierfür fallen je nach Anbieter bis zu 50€ Kosten für die Umlagerung an, so dass sich in den meisten Fällen ein Verkauf an der Auslandsbörse nicht mehr lohnt.

Vorsicht geboten ist auch bei einem Depotübertrag. Wer eine Aktie bewusst an einer Auslandsbörse gekauft hat, sollte bei einem Depotübertrag darauf achten, dass diese auch beim neuen Anbieter zur ausländischen Lagerstelle übertragen werden. Die Broker Flatex, onvista bank oder auch der Smartbroker lagern via Depotübertrag eingehende Aktien standardmäßig zur inländischen Lagerstelle, so dass ein Verkauf an der ausländischen Börse erst nach einer kostenpflichtigen Umlagerung möglich ist.

Fazit:
Aufgrund der besonderen Wettbewerbssituation von deutschen Handelsplätzen und der deutlich günstigeren Orderkosten ist ein Handel von Auslandsaktien an inländischen Handelsplätzen grundsätzlich zu empfehlen.

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