„Kursraketen“ vor dem Aus – Das Ende der US-Pennystocks

US-Pennystocks ziehen seit jeher Anleger in ihren Bann. Doch damit dürfte aufgrund weitreichender Initiativen der US-Finanzbehörden bald Schluss sein. Eine enorme Berühmtheit erlangte zuletzt die Aktie von Cynk Technologie, die innerhalb von einigen Wochen von 0,06 USD um märchenhafte 36.000% (!) auf fast 22 USD gestiegen ist, bis die SEC dem Treiben ein Ende bereitet hat.

Was sind eigentlich Pennystocks?

Als Pennystocks werden Aktien bezeichnet, die in ihrer Heimatwährung eine bestimmte Preisschwelle unterschreiten. In Deutschland beträgt diese Schwelle 1 EUR, in Amerika bspw. 5 USD. In den meisten Fällen findet nur sehr wenig Umsatz in den Aktien statt und um die strengen Transparenzvorgaben der Börsen nicht erfüllen zu müssen, findet das Listing meistens im so genannten Open Market statt. Aufgrund von strengen Delisting-Vorgaben an deutschen Börsen sind diese in Deutschland nur noch selten anzutreffen, während hingegen in Amerika diese Werte außerbörslich an der Nasdaq OTC oder OTC BulletinBoard gehandelt werden können (oder konnten). Die SEC hat entsprechende Pennystock Rules veröffentlicht.

Warum wird der Handel eingeschränkt?

Die amerikanischen Finanzbehörden untersuchen im Rahmen der aktuellen US-Geldwäscheuntersuchungen insbesondere die Pennystocks und Nano Caps, die an der Wallstreet gehandelt werden. Dabei spielt insbesondere eine Rolle, ob die Transparenzkette von der Lagerstelle bis hin zum Anleger lückenlos gewährleistet werden kann. So musste beispielsweise die US-Lagerstelle Brown Brothers Harriman (BBH) eine Strafe von 8 Mio. USD aufgrund substantieller Anti-Geldwäsche Verstöße bezahlen. Die amerikanische „Financial Industry Regulatory Authority“ (kurz: FINRA) hatte bereits 2009 in einer Regulatory Note Firmen darauf hingewiesen verpflichtend zu prüfen, ob Wertpiere für den öffentlichen Verkauf geeignet sind. Aufgrund der (zu Recht) immer strenger werdenden Gesetzgebung haben inzwischen nahezu sämtliche US-Lagerstellen (BBH, Knight Securitys, UBS BNP, etc.) den Handel in diesen Papieren stark eingeschränkt bzw. bieten teilweise gar keinen Handel mehr in ausgewählten Papieren an. Zudem kommt es in einigen Fällen zu einer Verschärfung des Verwahrung, so dass diese Papiere nicht nur nicht mehr gehandelt werden können, sondern auch nicht mehr verwahrt werden. Dies bedeutet, dass Anleger die Papiere als effektive Stücke ausgeliefert bekommen, was erhebliche Kosten nach zieht und die weit über den Wert der Produkte hinausgeht.

Warum betrifft das deutsche Banken?

Wertpapiere, die in den USA gehandelt werden, werden auch dort verwahrt und gelagert. Aufgrund der o.g. Einschränkungen führt dies dazu, dass viele Banken und Online-Broker den Handel bereits eingeschränkt haben oder bspw. Käufe überhaupt nicht mehr zulassen. OTC Markets hat zudem eine Information bzgl. der „Caveat Emptor“-Produkte veröffentlicht, die SEC eine Information bzgl. der OTC Chilles und Freezes, so dass der Handel und die Verwahrung eh zum Erledigen gekommen ist.

Was können Anleger jetzt machen?

Zunächst sollte der Anleger prüfen, ob seine Depotwerte von den Regelungen betroffen sind und ob überhaupt noch ein Handel stattfindet. Im letzteren Fall kann der Anleger mittels Formular bei seinem Broker eine „Gegenwertslose Ausbuchung“ beantragen. Hierbei gibt es zwar kein Geld für die Ausbuchung, allerdings besteht auch keine Gefahr mehr, dass man effektive Stücke ausgeliefert bekommt. Da kein Handel mehr stattfindet, sind die Papiere eh wertlos. Findet noch Handel statt, sollte man sich überlegen, die Papiere schnellstmöglich zu verkaufen – sofern dies noch geht. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, sich eine andere Bank / Broker zu suchen, die möglicherweise den Handel in diesen Produkten noch anbieten. In Deutschland dürften Sie hier aber nicht mehr fündig werden, da die meisten Banken / Broker den Handel stark eingeschränkt haben oder schon gar nicht mehr anbieten. Wahrscheinlich bleibt nur der Ausweg, zu einem ausländischen Online-Broker zu wechseln.

Vor dem Hintergrund, dass die meisten Pennystocks von Betrügern mittels Strohmännern via „Pump and Dump“ nach oben getrieben und dann abgestossen werden, erscheint der mögliche eigene Gewinn – bei einem erheblichen Totalverlustrisiko – hier sowieso fraglich.

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